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Jusos lehnen Internationale Schule ab!

Montag, 13.Februar von Johannes Gerken in Presse

Unterbezirkskonferenz der Kasseler Jusos: Inhaltliche Beratungen und Vorstandswahlen

Am Samstag trafen sich die Kasseler JungsozialistInnen zu ihrer jährlichen Unterbezirkskonferenz. Auf der Tagesordnung stand neben der Beratung vieler inhaltlicher Anträge auch die Wahl des neuen Unterbezirksvorstandes. Neuer und alter Vorsitzender ist Johannes Gerken (22), der einstimmig für ein weiteres Jahr von den Jusos zum Unterbezirksvorsitzenden gewählt wurde. Er wird dabei von einem Vorstandsteam unterstütz, das sich aus den beiden bisherigen Vorstandsmitgliedern Diana Beifordt (24) und Carolin Arbter (17), sowie den beiden neuen Vorstandsmitgliedern Julian Steiner (25) und Stephan Gerhold (23) zusammensetzt.
Hauptthema der behandelten Anträge war die Bildungspolitik. So diskutierten die Kasseler Jusos über die kommunalen Voraussetzungen für eine gute Hochschulentwicklung der Kasseler Universität. Dabei formulierten die JungsozialistInnen die Forderungen, dass die Stadt Kassel über ihr Tochterunternehmen GWG dafür Sorge tragen muss, dass ausreichend günstiger Wohnraum für Studierende vorhanden ist. Außerdem gilt es die problematische, seit langem bekannte und immer wieder durch die Jusos kritisierte, Verkehrssituation am Holländischen Platz zu verbessern. Dazu gehört neben der Verbesserung des ÖPNV-Angebots auch die Sperrung der Moritzstraße, die nicht erst seit den begonnenen Bauarbeiten zur Unierweiterung zu einem echten Gefahrenpunkt für FußgängerInnen und FahrradfahrerInnen geworden ist.
Neben der Hochschulentwicklung berieten die Jusos auch über die seit einiger Zeit geäußerte Idee einer Internationalen Schule für Kassel. So mache es für die JungsozialistInnen zwar auf dem ersten Blick Sinn eine solche Einrichtung auch für Kassel zu fordern, eine genauere Betrachtung fördert allerdings ein anderes Bild zu Tage: „Eine Internationale Schule ist nach unserer Analyse kein geeigneter Beitrag den Kindern aus weltweit mobilen Familien ein an internationalen Standards orientiertes Bildungsangebot zu unterbreiten“, führt Johannes Gerken aus. „Vielmehr liegt der Verdacht nahe, dass hier eine neue Eliteschmiede entstehen soll, die unter dem Label einer internationalen Schule öffentlich besser vermittelbar scheint. Dies sieht man unter anderem an den hohen Schulgeldern, die in der bisherigen Berichterstattung auf 800-1.000€ monatlich kalkuliert werden“, so Gerken weiter. Die Jusos stehen für ein leistungsfähiges staatliches Schulwesen ein, das selbstverständlich auch auf besondere Bildungsbiographien eingehen muss. Eine gesonderte Schule sei hierfür allerdings aus Sicht der Jusos nicht notwendig: „Eine Gesellschaft konstituiert sich vor allem auch über eine gemeinsame Schulerfahrung, deshalb sind Eliteschulen kein Beitrag zur gesellschaftlichen Integration, sondern ganz im Gegenteil Ausdruck gesellschaftlicher Segregation“, begründet Johannes Gerken abschließend die ablehnende Haltung der Kasseler Jusos gegenüber der Gründung einer Internationalen Schule in Kassel.

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2 Kommentare

  1. Peter Carqueville sagt:
    18. Februar 2012 um 20:39

    Wenn es sich bei der angesprochenen internationalen Schule um jene Planungen für Kassel um den Neubau einer solchen Schule handelt, dann will ich erwähnen das die Schule durchaus ein Standortfaktor sein kann. Kassel hat etliche internationale agierende Firmen, die internationale Fachkräfte anlockt. Das ist erstmal ne super Sache – die sind alle herzlich Willkommen, sag ich mal.
    Aber genauso wie deutsche Firmen sich im Ausland zusammenschließen, um gemeinsam internationale Schulen zu betreiben, so wird das hier nichts anderes sein. Der positive Aspekt überwiegt, finde ich.

    Antworten
    1. Johannes Gerken sagt:
      20. Februar 2012 um 09:37

      Lieber Peter,
      es geht bei der Internationalen Schule um die Privatschulinitiative, die vor allem von Wintershall angestoßen wurde, bei der sich aber auch andere nordhessische Unternehmen zumindestens prinzipiell aufgeschlossen zeigen (bspw. VW, SMA, B.Braun.).
      Eine rein ökonomische Betrachtung halte ich an dieser Stelle für falsch und die Argumentation, dass eine Internationale Schule ein positiver Standortfaktor sei, ist eine typische Kasseler Argumentation. Alles was gut für die Wirtschaft ist, ist auch gut für Kassel? Ich glaube nicht, dass sich das immer so 1 zu 1 sagen lässt. Wie in der PM oder auch im Antrag nachzulesen, wäre der Zugang zu einer Internationalen Schule vor allem über das Schulgeld geregelt. Bei einem monatlichen Schulgeld von 800-1.000€ stellt sich natürlich schon die Frage welche Selektionsmechanismen hier wirken. Ich gehe ganz stark davon aus, dass diese neue Internationale Schule eben zum Großteil nicht von den Kindern internationaler Fachkräfte besucht wird, sondern von den Kindern der nordhessischen “Wirtschaftselite”. Warum sollten wir so etwas gut heißen? Bildung ist für uns zum einen der Grundstein zur gesellschaftlichen Integration. In diesem Sinne würde die IS gesellschaftliche Ungleichheiten verschärfen und sperativ wirken. Auf der anderen Seite ist gute Bildung für alle unsere gemeinsame Grundüberzeugung. Deshalb halte ich es für bedenklich, dass wir in Deutschland unser staatliches Schulwesen zusehends abwirtschaften und somit den privaten Initiativen einen Nährboden bieten, um private Schulen zu gründen, die scheinbar diesem leistungsschwachem staatlichen Schulwesen leistungsstarke Schulen entgegenstellen.
      Ich gehe davon aus, dass man den Rahmen der Internationalen Schule eher dazu nutzt, um insgeheim eine neue Eliteschmiede zu gründen. Im übrigen kann man im Antrag nachlesen, dass wir durchaus eine differenzierte Analyse vorgelegt haben. Demnach scheint es mir auch logisch ein international ausgerichtetes Angebot an einer oder mehreren staatlichen Schulen einzurichten, um die besonderen Bedürfnisse der Kinder von “internationalen Fachkräften” zu berücksichtigen. Hier gibt es allerdings in den staatlichen Schulen schon viele gute Ansätze gibt (bspw. das große bilinguale Angebot an der ASS oder auch die Einführung von Chinesisch-AGs an einigen Schulen). Man muss, denke ich, hier das bestehende Angebot einmal zusammentragen und versuchen hieraus dem angesprochenen Adressatenkreis ein gutes Angeobt zu unterbreiten! Wieso wir also eine neue private Bildungseinrichtung dieser Art brauchen, bleibt mir daher schleierhaft!

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